Mrz 03 2010
Protestorgie in FDP-Büro
Mein Respekt!
Als Römer verkleidete Arbeitslose haben im FDP-Büro Darmstadt ein Gelage nachgestellt – aus Protest gegen den Ausspruch über “spätrömische Dekadenz”. Auch im Landtag ging es darum.
“Salve Guido” stand auf einem der Schilder, das die Demonstranten mit ins Darmstädter FDP-Büro gebracht hatten. Rund zehn Frauen und Männer hatten sich als Römer verkleidet und brachten Platten voller Köstlichkeiten mit – gebratene Hähnchenschenkel, Lachs, Weintrauben.
In der Partei-Geschäftsstelle machten sie es sich unter dem Protest des anwesenden FDP-Mitarbeiters bequem und genossen den mitgebrachten Champagner. Die Mitglieder der Arbeitsloseninitiative Darmstadt warfen FDP-Chef Guido Westerwelle vor, sie als in Champagner badende Hartz-IV-Empfänger zu verunglimpfen.
Westerwelle hatte im Februar nach dem Hartz-IV-Urteil des Verfassunsgerichts erklärt, wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu spätrömischer Dekadenz ein.
Die Worte des FDP-Chefs waren am Mittwoch auch noch einmal Thema im hessischen Landtag. Der SPD-Abgeordnete Thomas Spies sagte, Dekadenz sehe er eher bei den Banker-Boni. Den Arbeitslosen fehle es nicht an Arbeitswillen, sondern an Arbeitsplätzen. Auch Linkspartei und Grüne kritisierten Westerwelle.
Für die FDP verteidigte Florian Rensch den FDP-Vorsitzenden. Es gelte, auch an die Leistungsträger zu denken. Die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zögen den Karren. Der CDU-Abgeordnete Patrick Burghardt erinnerte daran, das Gericht habe nicht die Höhe, sondern die undurchsichtige Berechnung der Hartz-IV-Sätze bemängelt. Die Diskussion werde ein Stück weit zu polemisch geführt, sagte der CDU-Politiker, “nicht nur von Herrn Westerwelle”, sondern auch von anderen.
Arbeitsminister Jürgen Banzer (CDU) sprach von einer vielfältigen und schwierigen Debatte. Die Frage von Teilhabe an Arbeit sei zentrale Frage der Gesellschaft, sagte Banzer. Zudem erklärte er, nach dem Urteil rechne er mit höheren Hartz-IV-Sätzen für KinderFDP behält sich Strafanzeige vor
Im besetzten FDP-Büro in Darmstadt reagierte die alarmierten Polizisten unterdessen nach Angaben von Augenzeugen belustigt und geleiteten die Römer aus dem Parteibüro. Die zogen in Sandalen und wehendem Helmbusch davon, nachdem sie zuvor die Reste des Gelages zu sich genommen hatten. Die FDP behalte sich aber eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs vor, erklärte der Partei-Mitarbeiter. ( Quelle hr.online.de)







